Kreuzfahrer im Golf: Hilfe ist in Sicht
Für die sechs im Persischen Golf seit Ende Februar festhängenden Kreuzfahrtschiffe der Reedereien TUI Cruises, MSC, Aroya und Celestyal kommt Hilfe. Auf europäischer Ebene wird eine Mission vorbereitet, die die beiden Verkehrskorridore in der Straße von Hormus mit Minenjagdbooten absuchen wird. Da weiter unklar ist, wie groß die vom Iran verlegte Zahl an Minen ist, sollen Minenjagdboote die Wasserstraße absuchen. In Deutschland trainieren seit dem 9. April Minenjagdboote des 3. Minensuchgeschwaders aus Kiel für diese Mission. Wenn es auf politischer Ebene an diesem Wochenende eine Einigung in Europa gibt, können sich noch im April Minenjagdboote aus den Niederlanden, Frankreich, Deutschland sowie möglicherweise auch aus Italien, Belgien und Großbritannien auf den Weg machen. Die Niederlande hatten bereits am 9. April die Bereitschaft zur Entsendung eines Bootes signalisiert.
Das Problem ist der lange Weg ins Einsatzgebiet. Da die 50 bis 60 Meter langen Minenjagdboote nicht die Geschwindigkeit von Fregatten oder Korvetten haben, bräuchten sie für die etwa 12.000 Seemeilen rund um Afrika auf eigenem Kiel etwa vier bis sechs Wochen. Die für europäische Küstengewässer ausgelegten Boote müssen auch auf die Wetterbedingungen auf der Route achten. Es wird deshalb der Transport in einem Dockschiff oder auf einem Deckcarrier geplant. Dieser Transport wäre in drei bis vier Wochen machbar.
Großbritannien rüstet seit Anfang April in Gibraltar das Logistik- und Landungsschiff Lyme Bay für die Minensuchmission mit Geräten aus. Die Lyme Bay könnte in der Straße von Hormus ab Mitte Mai zum Einsatz kommen. Vorbild der Mission ist ein Einsatz von Minenjagdbooten im Sommer 1991. Damals hatte der Irak einen Teil der Zufahrten zu irakischen und kuwaitischen Häfen mit Minen blockiert. Auch damals waren deutsche Minenjäger mit einem Dockschiff in den Persischen Golf gebracht worden.
Großbritannien und die USA hatten bis zum vergangenen Jahr selbst Minensuch-Fahrzeuge in Bahrain stationiert. Die USA haben die letzten vier Minensucher der „Avenger“-Klasse erst im Januar mit einem Deckcarrier von Bahrain nach Philadelphia zur Außerdienststellung bringen lassen.
In der Region selbst sind nur wenige Minenjagdeinheiten. Saudi-Arabien verfügt über drei Minenjagdboote der britischen Sandown-Klasse. Die Emirate haben zwei Minenjagdboote der aus Deutschland stammenden „Frankenthal“-Klasse.
Für die Kreuzfahrtschiffe dürfte die Minenjagdmission aber eine noch deutlich längere Wartezeit bedeuten. Sollten der Seeweg erst Ende Mai abgesucht sein, könnte sich die Ankunft der sechs Schiffe in den europäischen Fahrtgebieten auf Juli verschieben. Da die Schiffe jetzt schon sechs Wochen ohne Passagiere und mit reduzierter Crew in Abu Dhabi, Katar und Dubai liegen, sind vor dem Reisestart auch noch Arbeiten zur Instandsetzung und Ausrüstung erforderlich. In Kiel hat die Reederei MSC inzwischen fast alle Abfahrten für den Mai bereits gestrichen. Bei TUI Cruises sind die Reisen der Mein Schiff 4 und Mein Schiff 5 im Mai im Mittelmeer ebenfalls größtenteils storniert. Für die Reisen im Juni gibt es aktuell auch wenig Hoffnung. FB
Foto: Frank Behling



