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Carnival Corporation: Geringere Neubau-Zuläufe und Verkauf von drei weiteren Schiffen angekündigt

Nicht nur der Neubau-Auftragsbestand der amerikanischen Carnival Corporation, sie ist mit ihren neun Kreuzfahrtmarken größter Anbieter der Welt, ist im Verlauf der Pandemie auf den niedrigsten Stand seit Jahrzehnten geschrumpft. Auch ihr Flottenbestand hat sich von 105 Einheiten zu Beginn der Pandemie trotz der in den vergangenen beiden Jahren erfolgten Neubauzuläufe durch den Verkauf von 23 Schiffen auf nur noch 92 Kreuzfahrtschiffe reduziert. Bei der kurz vor den Weihnachtsfeiertagen erfolgten Vorlage des Geschäftsberichtes für das mit einem weiteren Milliardenverlust abgeschlossene vierte Quartal kündigte die Carnival Corporation jetzt die Trennung von drei weiteren Schiffen an. Dabei dürfte es sich um die Costa Magica, Costa Fortuna und AIDAaura handeln.


AIDAaura, Foto: Jens Meyer


„Das Unternehmen erwartet, drei weitere kleinere und weniger effiziente Schiffe aus seiner Flotte zu entfernen“, heißt es in einer am 21.12.2022 veröffentlichten Erklärung, ohne dass darin deren Namen genannt werden. Zwei dieser drei Schiffe stammen aus der Flotte von Costa Kreuzfahrten und sind Teil der Strategie des Unternehmens, diese Marke angesichts der anhaltenden Schließung von Kreuzfahrtaktivitäten in China und der bedeutenden Präsenz von Costa dort vor dem Stillstand der Kreuzfahrtaktivitäten zu verkleinern. Wenn die Flottenoptimierungsstrategie des Unternehmens im Frühjahr 2024 abgeschlossen ist, werde die Kapazität von Costa so reduziert sein, dass sie in etwa der Kapazität entspricht, die Costa 2019 außerhalb Asiens für seine Kernmärkte in Kontinentaleuropa bereitstellt.

Durch den Verkauf der drei Schiffe, durch den sich Carnival seit Beginn der Pandemie dann von insgesamt etwa 26 Schiffen getrennt haben wird, rechnet das Unternehmen nun für 2023 mit einem Kapazitätswachstum von 3,3 Prozent im Vergleich zum letzten guten Jahr 2019, was am unteren Ende der bisherigen Prognosespanne von drei bis fünf Prozent liegt. Für den Rest des Jahrzehnts werde die verschuldete Muttergesellschaft von Carnival Cruise Line, Princess Cruises, Holland America Line und sechs weiteren großen Kreuzfahrtmarken nicht mehr viele neue Neubauten in Auftrag geben, deutete CEO Josh Weinstein in einer anschliessenden Telefonkonferenz mit Wall-Street-Analysten an. „Wir erwarten keine neuen Schiffe im Jahr 2026 und gehen davon aus, dass in den darauffolgenden Jahren nur ein oder zwei neue Schiffe pro Jahr gebaut werden“, so Weinstein. Ein ganzes Jahr ohne einen Neubauzulauf dürfte ein Novum in den letzten Jahrzehnten des Unternehmens sein.

Schon vor dem Beginn der COVID-19-Pandemie hatte die Carnival Corporation gerade einmal fünf Schiffe für ihre neun Marken kontrahiert. Dazu gehören Neubauten für die Marken Carnival und Seabourn, die 2023 in Dienst gestellt werden sollen, sowie neue Schiffe für die Marken Princess und Cunard, die 2024 in Fahrt kommen werden. Für 2025 wurde mit einem Neubau für Princess Cruises nur ein einziges Schiff bestellt. „Dies ist unser niedrigster Auftragsbestand seit Jahrzehnten“, so Weinstein. Bemerkenswert ist, dass die Carnival Corporation derzeit für fünf ihrer neun Marken, darunter Holland America Line, Costa Cruises und P&O Cruises, keine Schiffe bestellt hat.

Die pandemiebedingt in den letzten drei Jahren stark angestiegene Gesamtverschuldung des Unternehmens belief sich zum Ende des vierten Quartals auf 34,55 Milliarden Dollar, während sie Anfang 2020 noch bei weniger als 12 Milliarden Dollar lag. In ihrem letzten guten Jahr (2019) hatte die Carnival Corporation noch einen Gewinn in Höhe von rund 2,9 Milliarden Dollar eingefahren können. Wenn man in den kommenden Jahren wieder in die Gewinnzone zurückkehre, werde man einen Großteil des Cashflows zur Rückzahlung dieser Schulden nutzen, anstatt in neue Schiffe zu investieren, kündigte Weinstein an. Man sei entschlossen, bei Entscheidungen über den Bau neuer Schiffe „diszipliniert und rigide“ vorzugehen. Bereits im Jahr 2022 habe man die Ausgaben aktiv um mehr als 500 Millionen Dollar gesenkt und mit Blick auf 2023 die Investitionsausgaben um 300 Millionen Dollar pro Jahr umgestaltet, was einer kumulativen Reduzierung von 1,7 Milliarden Dollar entspreche. JPM