Ein Konfetti im Pazifik

Die Reise zu den Marquesas-Inseln ist mit einer zweiwöchigen Reise auf der Aranui 5, einem modernen Kombischiff, möglich. Sie wird unvergesslich bleiben, meint Grégory Gérault.

Hitze und hohe Luftfeuchtigkeit umfangen uns in Papeete, der Hauptstadt von Tahiti, 22 Flugstunden von Paris. Unser Ziel sind die Marquesas, eine abgeschiedene Inselgruppe im Pazifik, rund 1500 Kilometer von Tahiti entfernt. Eine Reise ins Paradies?
Der französische Maler Paul Gauguin (1848-1903) empfand es so, als er sich auf den Marquesas-Inseln ansiedelte. „Ich gehe, um still zu sein, schrieb er, um dem Einfluss der Zivilisation zu entkommen.“ Er lebte viele Jahre dort, wurde auf einem Friedhof im Schatten der Frangipani-Bäume, deren Blüten süße Düfte verströmen, auf Hiva Oa bestattet. Seine Südseebilder sind weltberühmt.
Die Aranui 5 wartet am Dock, blitzblank, seit 2015 im Einsatz. Auf dem Pool-Deck trommeln Ozeanier, Getränke werden serviert, jede Kabine hat ein Bullauge. Bei der 14-tägigen Fahrt liegt die Reisegeschwindigkeit bei 15 Knoten.

Am Horizont erheben sich junge Inseln, im Meer gewachsen haben sie weder Lagune noch Atoll. Die üppige Vegetation kontrastiert mit den glitzernden schwarzen Klippen, auf denen das Meer schäumt. Wir nähern uns der Insel Nuku Hiva. Auf den Marquesas-Inseln leben rund 9300 Menschen, die meisten in Tälern. Von zwölf Inseln sind nur sechs bewohnt.
An Land begrüßt eine Gruppe Tänzer die Passagiere stimmungsvoll. Später erklingen wieder die Trommeln, diesmal an einem Banyanbaum mit gewaltigem Stammumfang. Dann heißt es „Kai kai!“ („Lasst uns essen!“). Im Hatiheu, dem Erdofen, hat das Schweinefleisch lange gebrutzelt. Es gibt auch Fisch, Ziegenkäse, Brotfrüchte, Kokosmilch und eine Fülle an Südfrüchten.

An den folgenden Tagen geht es mit der Aranui 5 von einer Insel zur anderen. Das Schiff hat zugleich Gefrier- und Kühlcontainer, die Laderäume sind gefüllt. In Häfen der bewohnten Inseln werden Lebensmittel ausgeladen für die Bevölkerung. Aranui 5 transportiert aber auch Autos, Geräte und Baumaterialien, sämtliche Waren können nur auf dem Wasser zu den Empfängern gebracht werden. Die Routen sind deshalb exakt nach den Gezeiten, der Beladung und der Tiefe der Ankerplätze organisiert. Commander Faaora Faraire, 34, ein Mann mit funkelndem Lächeln und Tiaré-Blume am Ohr, lenkt souverän die Manöver.

Nicht nur die Crew der Aranui 5 trägt das Flair und die Herzlichkeit der Inseln mit einem Lächeln weiter, auch das Schiff selbst zeigt sich ganz im Zeichen der Marquesas. So etwa sind die komfortablen Kabinen und Suiten – teils mit Balkonen – mit traditionellen Elementen dekoriert. Aber auch in den öffentlichen Bereichen finden sich bunte Farbtupfer in Form von Mustern, mit Tiaré-Blüten verzierte Teppiche oder Bilder von Paul Gauguin.
Für Entspannung sorgen neben einem Pool, einem Fitness- und Massageraum und einer Boutique vor allem die Vorträge über die Geschichte der Marquesas-Inseln, Tanzstunden an Deck oder Kurse zum Hüte flechten.
Die Küche der Aranui 5 ist französisch und polynesisch. In der bordeigenen Bibliothek finden sich Werke von Melville, Stevenson und Heyerdahl, die die Inselwelt in ihren Büchern beschrieben haben.

Jacques Brel und die Marquesas

Die basaltischen Gipfel des Ua Pou (1252 m) sollten in Sicht sein, stecken aber ihre Spitzen in die Wolken. Die Insel hat einen neuen Kai erhalten, die Einheimischen kommen, um – eine willkommene Abwechslung – die Touristen zu begrüßen. Sie verkaufen Steine oder Palisander, farbige Samenketten und geflochtene Hüte aus Pandanusblättern.
Hiva Oa war die Wahlinsel des Sängers Jacques Brel. Als er ankam, kannte ihn dort niemand. Das gefiel dem Künstler, er blieb da und verbrachte dort seine letzten drei Jahre. Mit seinem Taxiflugzeug versorgte er die Bewohnern mit Post und Medikamenten, er wurde sogar zum Filmvorführer. Ein kleines Museum erinnert an den belgischen Chansonier. In Puamau Bay gibt es auch eine archäologische Stätte mit den größten Stein-Tikis Polynesiens.

Tahiti-Gardenie und fliegende Fische

Auf der Insel Tahuata, im kleinen Dorf Hapatoni mit hundert Einwohnern, werden die Besucher mit Blumenketten umgarnt. Die Tiaré-Blume ist das Wahrzeichen von Französisch-Polynesien. Das herrliche Fruchtfleisch von Kokosnüssen, mit Kopraöl angereichert, wird zum Trinken dargereicht. Das Südsee-Feeling hat sich längst eingestellt.
Fatu Hiva hat keinen kleinen Flugplatz, es ist abgelegen, wild und nur auf dem Seeweg zu erreichen. Für diese Insel hat die Aranui 5 mit ihren Belieferungen besondere Bedeutung. Die Kreuzfahrtpassagiere können die kleinen Dörfer Omoa und Hanavave besuchen, ein roter Feldweg verbindet sie. Die meisten Passagiere sagen danach, es sei der schönste Ausflug. Die Anhöhen ertrinken im Grünen vor dem Hintergrund des Ozeans, ein einprägsames Schauspiel. Hanavave öffnet sich auf einer schwarzen Sandbucht, die mit Kokospalmen und ockerfarbenen Felsspitzen verziert ist. Eine herrliche Kulisse, von der jeder Segler träumt.
Der Tuamotu-Archipel in Rangiroa ist ein unvergleichlicher Stopp für Taucher, aber auch andere Besucher. Es ist das größte Atoll, 77 mal 75 Kilometer groß, Rangiroa heißt „der längste Himmel“. Bei der Anfahrt springen Delfine aus dem Wasser, sie nutzen die Wirbel, die das Schiff im Wasser verursacht.
Auf Bora-Bora wird die Ankunft der Aranui 5 von fliegenden Fischen begleitet. Es ist eine der Inseln, die wie eine Postkarte aussieht, aber betreten werden kann. Ein zentraler Berg dominiert die Lagune auf archetypische Weise. Tauchen, Schnorcheln, Kanupaddeln, Schwimmen mit Rochen und Haien – das ist alles möglich.
An Bord des Schiffes ist die Reise ihrem Alltagsrhythmus gefolgt. Man kennt sich inzwischen gut, lächelt einander an und besucht die angebotenen Kurse. Wie roher Fisch bereitet wird, Halsketten und Blumenkränze gefertigt werden oder im Aqua-Gym der „Tanz des Schweins“ geht. Es gibt Aufklärung über die medizinischen Tugenden der Pflanzen auf den Marquesas, über das Monoi-Öl als traditionelles Schönheitsmittel der Polynesier, ihre Gerichte und Tätowierungen.


Fotos: Grégory Gérault, Rewriting und Übersetzung: Roland Mischke

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