„Wonder of the Seas“ zur Endausrüstung nach Marseille

Die bei der französischen Werft Chantiers de l’Atlantique in Saint-Nazaire für den US-Konzern Royal Caribbean International (RCI) als Bau-Nr. C34 erstellte Wonder of the Seas hat nach ihrer Ende August erledigten viertägigen See-Erprobung heute ihre Bauwerft erneut unter Werftflagge verlassen und Kurs auf die nahegelegene Hafenstadt Marseille genommen. Dort erfolgt jetzt die Endausrüstung des künftig größten Kreuzfahrtschiffes der Welt, bevor es an seine Auftraggeber übergeben und in die USA überführt wird.

Nach der Ankunft des bereits am 29. Oktober „technisch“ abgelieferten Neubaus in Marseille erfolgte dort unter Regie der Bauwerft die Trockenstellung im Trockendock10 der Chantier Naval de Marseille, wo in Kooperation beider Werften Restarbeiten erledigt werden. Die offizielle Ablieferung der Wonder of the Seas an die Reederei ist für Januar 2022 vorgesehen.

Foto: Bernard Biger / Chantiers de l’Atlantique

Die Einsatz für die Royal Caribbean Cruise Line beginnt am 04.03.2022 in Fort Lauderdale mit alternativen wöchentlichen Reisen in die westliche und östliche Karibik, in der Sommersaison 2022 wird das Schiff in europäischen Gewässern zu finden sein – ab Mai folgt der Einsatz im westlichen Mittelmeer mit Barcelona und Civitavecchia als Einstiegshäfen. 

Ursprünglich sollte die Wonder of the Seas am 26. März nächsten Jahres als größtes in China eingesetztes Kreuzfahrtschiff zur Jungfernreise von Shanghai starten und von dort bis November 3- bis 9-tägige Rundreisen via Japan bieten, bevor der Basishafen nach Hongkong verlegt werden und von dort bis Januar 2023 Rundreisen nach Vietnam, Südkorea und Japan aufgenommen werden.

Jedoch war nach Angaben der Reederei die grössere Nachfrage in der Karibik und in Europa der Grund für diese Repositionierung. In Europa übernimmt das neue Flaggschiff der Reederei die Reisen der für dieses Fahrtgebiet zunächst vorgesehenen Allure of the Seas, die dafür in die Karibik wechselt.

Bei der Wonder of the Seas handelt es sich nach der Oasis of the Seas, Allure of the Seas, Harmony of the Seas und Symphony of the Seas bereits um die fünfte Einheit der Oasis-Klasse, die als die weltgrößten Kreuzfahrtschiffe gelten. Nach den 2009 und 2010 in Turku gebauten ersten beiden Schiffen hatte die amerikanische Royal Caribbean International (RCI)-Reedereigruppe vier weitere Einheiten diese inzwischen zur Oasis-Plus-Klasse weiterentwickelten Klasse bei der Werft in Saint Nazaire kontrahiert, von denen die Harmony of the Seas im Mai 2016 und die Schwester Symphony of the Seas im März 2018 abgeliefert worden waren.

Impressionen vom Bauprozess:

Foto: Bernard Biger / Chantiers de l’Atlantique
Foto: Bernard Biger / Chantiers de l’Atlantique
Foto: Bernard Biger / Chantiers de l’Atlantique

Das letzte – noch namenlose – Schiff dieses Quartetts soll 2023/24 als sechstes und vorerst letztes Schiff der Oasis-Klasse in Fahrt kommen. Darüber hinaus befinden sich für die Reederei bei der Meyer Werft in Turku noch drei 200 000-BRZ-Schiffe der Icon-Klasse in Auftrag, von denen der Brennstart für das Typschiff Icon of the Seas bereits am 14. Juni dieses Jahres erfolgt ist. Die Neubauten zeichnen sich durch ihre Kombination von LNG-Hauptantrieb und Einsatz von Brennstoffzellen-Technologie für die Bordstromversorgung aus.

Die jetzt in der Endausrüstung befindliche Wonder of the Seas, für die im April 2019 der erste Stahlschnitt, am 10. Oktober 2019 die Kiellegung und am 4. September 2020 die Ausdockung erfolgt waren, wird bei einer Länge von ebenfalls 362 m, einer Breite von 66 m und einem Tiefgang von 9,3 m gegenüber der Symphony of the Seas eine um eine von 228081 auf 236857 erhöhte Bruttoraumzahl (BRZ), eine von 2747 auf 2867 vergrößerte Kabinenzahl, eine von 6780 auf 6988 gestiegene Passagierkapazität sowie eine von ca. 2100 auf 2300 Crewmitglieder verstärkte Besatzung aufweisen und ihr damit die Spitzenstellung als derzeit größtes Kreuzfahrtschiff der Welt abnehmen, wenn sie nach der pandemiebedingten Verschiebung statt in diesem Jahr erst 2022 in Fahrt kommt.

Foto: Bernard Biger / Chantiers de l’Atlantique

Zur dieselelektrischen Maschinenanlage gehören zwei auf Generatoren arbeitende Wärtsilä-Diesel des Typs16V46 à 18480 kW und vier Wärtsilä-Diesel des Typs12V46 à 13860 kW sowie zwei MTU-Motoren des Typs 16V4000. Die Propulsion erfolgt durch drei ABB-Podantriebe à 20,5 MW, mit denen eine Dienstgeschwindigkeit von 22,5 und eine Spitzengeschwindigkeit von 25,1 kn erreicht werden soll.

Zur Verbesserung der Manövrierfähigkeit wurden vier Wärtsilä-Bugstrahler à 5,5 MW installiert. Über die gegenüber den Vorbauten modifizierte Inneneinrichtung haben wir bereits mehrfach berichtet. Neu ist jetzt auch der auffällige Wetterschutz durch die komplette Überdachung des Solariums ob auf dem obersten Deck an der Vorkante des Deckshauses oberhalb der Brücke sowie an der Achterkante des Aqua Theaters am Heck, die durch eine Folienstruktur geschützt werden. Die Ausstattung des spektakulären Naturparks mit natürlicher Bepflanzung erfolgt durch die Hamburger Firma Dauerflora. Zu den weiteren deutschen Zulieferern gehört auch die in Berne an der Weser ansässige Fassmer-Werft, die bis Anfang nächsten Jahres 18 modernste Rettungsboote für den nach den Vorschriften und unter Aufsicht der Klassifikationsgesellschaft DNV in der Ausrüstung befindlichen RCCL-Neubau fertigt. JPM